Die Bugatti-Schätze der Autostadt

Im Depot der Autostadt lagern rund 20 Bugattis. Atemberaubende Automobile, die zeigen, wie die Marke träumte, dachte und experimentierte. Und wie aus mutigen Ideen manchmal Ikonen werden. Ein Streifzug.
FOTOS: Marko Seifert
Autor: Peter Gaide

Im Depot der Autostadt stehen sie aufgereiht – eine Galerie der Superstars: rund 20 Bugatti-Modelle, die man sonst kaum zu Gesicht bekommt. In der Halle ist es fast still. Nur das gedämpfte Surren von Werkzeugen im Hintergrund verrät, dass hier gearbeitet wird. Viele der Fahrzeuge sind Prototypen oder Testfahrzeuge. Technische Etuden, die zeigen, wie Bugatti dachte: mutig, präzise, immer ein Stück weiter als der Zeitgeist. Die Fahrzeuge werden hier regelmäßig bewegt, gepflegt und fahrbereit gehalten. So können sie im Zeithaus oder in den Markenpavillons gezeigt werden. Automobile Leidenschaft, die stets lebendig bleibt.

Gleich vorn fällt der Bugatti Typ 35 ins Auge, ein puristischer Rennwagen der 1920er-Jahre, geplant und gebaut mit sicherem Gespür. Leicht, klar, kompromisslos. Bis heute gilt er als Inbegriff der frühen Bugatti-Philosophie. Ein paar Schritte weiter ruht sein Gegenpol in sich: der monumentale Typ 41 Royale. Maestro Ettore Bugatti wollte damit das edelste Auto seiner Zeit bauen: über zwölf Liter Hubraum, über vier Meter Radstand. Ein Wurf zwischen Genie und Größenwahn.

Nur ein kleines Stück weiter sorgt der Anblick eines Supersportwagen für Verwirrung: ein gelber Lamborghini Diablo SV. Ein Kuckucksei? Wer genauer hinsieht, entdeckt ein Experiment. Dieser „Muletto“ – also Maulesel – diente als rollendes Labor, in dem Bugatti den späteren W16-Motor des Veyron unter realen Bedingungen testete. Von außen italienische Power, unter der Haube Bugatti-Gene.

Im Chiron-Cockpit vereinen sich Präzision und Power (rechts). Der Diablo „Muletto“: Tarnkleid außen, Veyron-Technik innen (links).

Die jüngste Ära steht ein Stück weiter hinten: Veyron und Chiron, moderne Hypercars, die Bugattis Anspruch neu definierten. Sichtcarbon, klare Linien, extreme Leistung und im Hintergrund die große Frage: Wie weit kann eine Marke Material, Technik und Kraft treiben? Alles daran erzählt von Präzision und Perfektion.

Die Sammlung im Depot zeigt Bugatti nicht als fertigen, abgeschlossenen Mythos, sondern als Prozess: als Reihe von Träumen, Ideen, Entwürfen, Versuchen. Und als der Drang, immer noch zwei Schritte weiter zu gehen. Gemeinsam erzählen die Automobile, wie Innovationen in die Welt kommen und warum Bugatti bis heute zu Recht für Visionen steht, die größer sind als der Moment. Wer diese Fahrzeuge im Depot erlebt, versteht: Automobile Leidenschaft ist immer Gegenwart.

Bugatti Divo: Scharfe Linien und extreme Präsenz. Ein Hypercar als Designstatement.
Form folgt Leistung: Der Chiron von oben.
Carbon als Skulptur: Bugattis moderne Formsprache.
Blick ins Herz des W16 unter Glas.
Der Bugatti Chiron Super Sport vereint Kraft und Eleganz in der typischen C-Linie.
Bei Rad, Logo und Linie stimmt jedes Millimetermaß.
Die reduzierte Schaltkulisse eines Supersportwagens.

Im Zeithaus finden Sie jetzt auch Bugatti-Modelle aus der Volkswagen Ära. Als Paar oder im Trio auf Themeninseln arrangiert, werden auf einen Blick technische wie gestalterische Parallelen und Kontraste sichtbar. Mehr dazu hier Bugatti Ausstellung - Autostadt